Film Wichteln #5 – Freaks

Eigentlich wollte ich Marius‘ Anregung zu kreativen Texten nachkommen und ein schönes Gedicht zu meinem Wichtelfilm verfassen. „Freaks“ (1932; Regie Tod Browning) verarbeitet allerdings einen zu ernsten Stoff, um aus ihm etwas Lyrisch-Weihnachtliches zu zaubern. Es geht um Menschen mit diversen Behinderungen, die (nicht nur) in der Zwischenkriegszeit des 20. Jahrhunderts als „Kuriositäten“ wahrgenommen und zur Schau gestellt wurden (ja, da schreibt kurz der angehende Historiker…). Also fasse ich die Prämisse des Films, so wie ich sie verstehe, einfach in wenigen Sätzen zusammen.

Cleopatra und Hercules arbeiten bei einem Wanderzirkus als Artist*innen (ist gut, auch hier schreibt der Wissenschaftler…) und entsprechen gängigen Schönheitsidealen bzw. Vorstellungen von „Normalität“. Hans und Frieda sind hingegen als Kleinwüchsige beim Zirkus angestellt. Hans verliebt sich in Cleopatra, worüber sie sich lustig macht. Als er eine große Summe erbt, spielt ihm die Trapezkünstlerin jedoch Gefühle vor und heiratet ihn, um mit Hercules an das Vermögen zu kommen. Ein gescheiterter Mordanschlag auf ihn öffnet Hans die Augen und die sogenannten „Freaks“ rächen sich aufgrund eines „Zusammenhaltskodexes“ an Cleopatra, wobei sie letztendlich körperliche Einschränkungen davonträgt, also selbst zum „Freak“ wird.

„Freaks“ geht somit in einer für die damalige Zeit sehr deutlichen Art mit der Sichtbarkeit von Behinderungen um und hinterfragt Vorstellungen von normal und anormal. Das Casting überzeugt wie angedeutet mit einer Bandbreite verschiedenster Charaktere. Besonders auffällig ist, wie die Zirkustruppe durch ihren Kodex deutlich liebevoller wirkt als Cleopatra und Hercules, welche durch ihre Schadenfreude und Habgier die eigentlich „hässlichen“ Figuren dieses Films sind. Dass er dem Genre des Horrors zugeordnet wurde, liegt aus meiner Sicht vor allem an der intensiven audiovisuellen Inszenierung sowie den zeitgenössischen Vorstellungen über die Sichtbarkeit von Behinderungen. Auch sprachlich könnte man hier sicherlich einiges interpretieren – zum Beispiel Cleopatra und Hercules als wohlklingende Namen mit historisch-mythologischem Hintergrund und Hans und Frieda demgegenüber als „gewöhnlich“ wirkende Vornamen. Daher ist der Film insgesamt durchaus zu empfehlen – nach dem furchtbaren Machwerk von letztem Jahr brauche ich aber das nächste Mal wirklich etwas leichtere Kost…

Eine schöne Adventszeit euch allen!


Wichtel von Sneakfilm

Text von S&M

Übersicht der Wichtel-Texte

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2 Comments

  1. Wie wunderbar, dass der Film anklang gefunden hat. Ja. leichte Kost geht anders, aber ich finde Freaks hat es einfach verdient gesehen zu werden. Ich denke auch, dass du den Film genau richtig verstanden hast. 🙂

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